KI erscheint oft als eine Welt aus Algorithmen und Daten. Doch damit KI funktioniert, braucht sie Rohstoffe, Energie, Rechenzentren und Millionen Menschen, deren Arbeit meist unsichtbar bleibt.
Journalist und Autor Ingo Dachwitz wirft in seinem aktuellen Buch „Digitaler Kolonialismus“ einen Blick auf genau diese verborgene Seite der Digitalisierung. Darin zeigt er, wie wenige große Technologieunternehmen weltweit neue Abhängigkeiten schaffen und warum viele Menschen im Globalen Süden den Preis für unseren digitalen Komfort zahlen. Seine These: Viele Mechanismen der digitalen Wirtschaft erinnern an historische Formen kolonialer Ausbeutung. Dachwitz zieht dabei Parallelen zwischen der Geschichte des Kolonialismus und heutigen globalen Lieferketten, Datenströmen und Arbeitsverhältnissen: Statt physisches Land einzunehmen, erobern die heutigen Kolonialherren den digitalen Raum. Statt nach Gold und Diamanten lassen sie unter menschenunwürdigen Bedingungen nach Rohstoffen graben, die wir für unsere Smartphones benötigen. Statt Sklaven beschäftigen sie Heere von Klickarbeiter*innen, die zu Niedriglöhnen in digitalen Sweatshops arbeiten, um soziale Netzwerke zu säubern oder vermeintlich Künstliche Intelligenz am Laufen zu halten.
Im Gespräch nach der Lesung wollen wir gemeinsam der Frage nachgehen, was diese Entwicklungen mit unserem Alltag zu tun haben, welche Rolle KI dabei spielt und wie eine gerechtere und demokratischere Digitalisierung aussehen könnte.
Im 5. Teil unserer Reihe geht es weniger um die politischen Ideologien hinter dem KI-Boom als um ihre materiellen Grundlagen: Wer stellt die Infrastruktur bereit, wer profitiert von ihr – und wer trägt die Kosten?
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